
Ausstellungshighlights 2021
Momentaner Zustand: Museums-Abstinenz seit Ende November 2020. Sechs Kune-Autor*innen blicken in die „After-Lockdown-Zeit” und stellen Ausstellungen vor, deren Besuch sie kaum erwarten können.

Momentaner Zustand: Museums-Abstinenz seit Ende November 2020. Sechs Kune-Autor*innen blicken in die „After-Lockdown-Zeit” und stellen Ausstellungen vor, deren Besuch sie kaum erwarten können.

Peter Fischli setzt sich mit der Frage nach der Charakterisierung von Kunst auseinander. In der aktuellen Ausstellung im Kunsthaus Bregenz beschäftigt er sich sowohl mit der Rolle, die das Kunsthaus als museale Institution für die Benennung von Kunst spielt, als auch mit dem Objekt selbst, das durch die Bearbeitung des*der Künstler*in zur Kunst wird.

In seiner aktuellen Sonderausstellung stellt das Museum Biberach Künstlerinnen und deren Beitrag zum Kunstgeschehen des 20. Jahrhunderts in den Mittelpunkt.

In zwei süddeutschen Städten werden gerade zahlreiche Künstlerinnen in den Fokus genommen. Beide Ausstellungen bieten künstlerische Entdeckungen durch die letzten 150 Jahre.

Normalerweise kann man sich am Wochenende in Berlin nicht entscheiden zu welcher Ausstellungseröffnung man gehen möchte. Durch Covid-19 hat sich das verändert, seit Anfang Mai öffnen die Museen und Galerien zumindest allmählich wieder ihre Türen. Aufwändige Projekte und aufgeschobene Ausstellungen werden vorerst allerdings noch ohne größere Vernissage eröffnet. Was übrig bleibt ist ausschließlich die Kunst, die man nun wieder live und in Farbe erleben kann. Live und in Farbe Dies trifft im Besonderen auf die im Juni eröffnete Einzelausstellung der deutschen Malerin Katharina Grosse im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart in Berlin zu. Zuletzt zeigte die Künstlerin ihre großformatigen Arbeiten zuletzt unter anderem im Frieder Burda Museum in Baden-Baden und in der Prager Nationalgalerie. Die im wahrsten Sinne raumfüllende Installation im Hamburger Bahnhof erinnert sicher auch an ihre Arbeit Rockaway in New York, die im Rahmen der gleichnamigen vom MomaPS1 veranstalteten Biennale entstand. Hier verwandelte sie ein altes, von Hurricane Sandy heruntergekommenes Militär-Gebäude in ein begehbares farbenfrohes Kunstwerk. Fast der komplette Boden in der Historischen Halle ist mit Farbe bedeckt! In der Mitte des Ausstellungsraums ragt de Besucher*in eine riesige Skulptur, die an einen Eisberg erinnert, entgegen. Diese nimmt den Farbverlauf seiner Umgebung ein; kaum zwischen Ausstellungsraum und Kunstwerk kann unterschieden werden. Die Farbe in der Ausstellung It wasn’t us wurde großflächig auf aufgesprüht von Ausstellungshalle über den Innenhof bis zur Fassade des Museums. Beim Betreten des Kunstwerks verschmilzt man fast damit. Die Ausstellung wird dadurch zum immersiven Erlebnis. Die Kunst von Grosse ist nicht auf Leinwände limitiert. Sie endet nicht einmal mit dem Museum. Der Ausstellungsraum öffnet sich am Ende der Halle und gibt den Blick ins Freie frei, Von hier an geht das Kunstwerk weiter über den ganzen Innenhof bis zum Erweiterungsbau des Museums – die Rieckhallen. Extra für die Ausstellung wird hier der Seiteneingang zugänglich gemacht, so kann man seinen Ausstellungsrundgang fortsetzen. Die Ausstellung von Katharina Grosse ist nicht nur eine beeindruckende Erfahrung für die Besucher*innen, sondern auch ein politisches Signal – die Verbindung der Historischen Halle mit den Rieckhallen, in denen sich (noch) die Sammlung Flick befindet. Diese ist einer der bedeutendsten Sammlungen für Kunst des 20. Jahrhundert, die nur noch bis 2021 einen Platz dort haben – danach endet der Vertrag. Ebenso ist geplant, dass der Anbau durch Wohnungsneubauten ersetzt werden soll. Grosse führt die Besucher*innen mit ihrer Farbspur über den Hof direkt in die Sammlung und schafft so mit ihrer Kunst eine weitere Verbindung zwischen Museum und Rieckhallen, zwischen Gegenwart und Zukunft. Sammlungen verlassen Berlin Die Sammlung Flick ist nicht die einzige Sammlung, die dieses Jahr auf Grund ihres Abzugs in den Schlagzeilen stand. Ebenso kündigte bereits Thomas Olbricht seinen Weggang aus der Auguststraße mit dem Me Collectors Room an und Julia Stoscheck macht nun ihre Andeutungen wahr und gibt ihren gerade erst eröffneten Standort in Berlin auf. Beide werden fortan ihre Arbeiten in Nordrhein-Westfalen zeigen, Stoschek hat schon eine Dependance in Düsseldorf und Olbrichts Sammlung geht an das Museum Folkwang in Essen. Vor allem das fehlende Interesse und Unterstützung der Stadt sind ein Grund für die Abgänge. Wie man an der Sammlung Flick sieht – diese stehen auf dem Areal eines Wiener Immobilienkonzern. Dieser möchte hier Eigentumswohnungen bauen, so bleibt kein Platz für die Kunst oder das Museum. Seit der Eröffnung im Jahr 2004 bis heute zeigte der Hamburger Bahnhof jährlich zwischen einer und drei Ausstellungen mit Werken aus der Sammlung von Friedrich Christian Flick, damit ist im September 2021 Schluss, wenn einer der bedeutendsten Privat-Sammlungen nach Zürich weiterzieht. Die Ausstellung It wasn’t us von Katharina Grosse ist bis zum 10.01.2021 in und um den Hamburger Bahnhof zusehen. Laufzeit: Katharina Grosse – It wasn’t us14.06.2020 – 10.01.2021

Das Kunsthaus Bregenz hat sich der Thematik Unvergessliche Zeit angenommen und innerhalb kürzester Zeit auf die außergewöhnlichen Umstände des Lockdowns reagiert. Das Kunsthaus hat sich ganz der zeitgenössischen Kunst verschrieben und eben diese beinhaltet die Auseinandersetzung mit aktuellen Themen. Es liegt also nahe, dass die Institution sich mit dem Thema Corona befasst und eine Schau dazu konzipiert.