Ausstellungen

Ins Licht gerückt! Künstlerinnen Oberschwaben 20. Jahrhundert

In seiner aktuellen Sonderausstellung stellt das Museum Biberach Künstlerinnen und deren Beitrag zum Kunstgeschehen des 20. Jahrhunderts in den Mittelpunkt.

Welchen Beitrag leisten Künstlerinnen zur Kunstentwicklung des 20. Jahrhunderts? Zahlreiche Museen widmen sich derzeit den Frauen in der Kunst. Das Museum Biberach rückt dabei in seiner aktuellen Sonderausstellung das künstlerische Schaffen von Frauen in der oberschwäbischen Region in den Vordergrund und zeigt damit eine längst überfällige Aufarbeitung.

Blick in die Ausstellung „Ins Licht gerückt! Künstlerinnen Oberschwaben 20. Jahrhundert“ © Museum Biberach, Foto: Thomas Gretzinger

Bereits beim Betreten des großen Ausstellungsraumes offenbart sich eine Vielfalt an Motiven und Techniken. Insgesamt 45 Künstlerinnen sind hier vertreten. Es sind nicht nur Werke von Malerinnen und Bildhauerinnen ausgestellt, sondern auch Arbeiten von je einer Weberin, Keramikerin, Puppenmacherin, Glaskünstlerin und Fotografin werden ins Licht gerückt. Gerade beim Übergang zur angewandten Kunst sind Künstlerinnen häufig zu finden. Trotz dieser Vielseitigkeit begleiten fünf große Themen – Selbstporträt, Glaube, Garten/Pflanzen, Textiles und Reisen – die Künstlerinnen durch das Jahrhundert. Diese Schwerpunkte führen uns auch durch die Ausstellung:  

Selbstporträts


Blick in die Ausstellung „Ins Licht gerückt! Künstlerinnen Oberschwaben 20. Jahrhundert“ © Museum Biberach, Foto: Thomas Gretzinger

Die ausgestellten Selbstporträts reichen von zarten, in Brauntönen gehaltenen bis hin zu farbintensiven Darstellungen und bieten damit zugleich einen Überblick über die Kunstentwicklung des 20. Jahrhunderts. Darüber hinaus fällt auf, dass sich die Frauen in ihren Selbstporträts auch oftmals als Künstlerinnen präsentieren. So zeigt sich Meret Eichler (1928–1998) auf dem Ausstellungsplakat in leuchtenden Farben mit Pinsel in der Hand und einem Stillleben im Hintergrund.


Ausstellungsplakat „Ins Licht gerückt! Künstlerinnen Oberschwaben 20. Jahrhundert“ © Museum Biberach

Glaube

Religiöse Motive und Themen werden in der katholisch geprägten Region Oberschwaben seit jeher aufgegriffen. So spielt auch der Glaube im künstlerischen Schaffen der Frauen im 20. Jahrhundert eine Rolle. Hierbei wird erneut ein breitgefächertes Spektrum deutlich, welches glaubensvermittelnde Darstellungen sowie individuelle Verarbeitungen und Adaptionen biblischer Stoffe innerhalb der jeweiligen Zeit umfasst.

Blick in die Ausstellung „Ins Licht gerückt! Künstlerinnen Oberschwaben 20. Jahrhundert“ im Museum Biberach, Foto: Atessa Sonntag

Garten und Pflanzen

Im Ausstellungsbereich zum Thema „Garten und Pflanzen“ fällt den Besucher*innen sofort das kräftige Rot der großformatigen Mohndarstellungen von Dorothea Schrade (*1943) ins Auge. Seit dem Reaktorunfall von Tschernobyl im Jahr 1986 malt die Künstlerin den Mohn, der das blühende Leben und zugleich die Endlichkeit des Lebens verbildlicht. 

In dieser Abteilung fällt auf, dass die Künstlerinnen überwiegend jene Motive malen, die sie direkt vor Augen haben: ihren Garten oder Pflanzen. Ihre männlichen Kollegen hingegen blicken in die Ferne und stellen weite Landschaften dar.

Blick in die Ausstellung „Ins Licht gerückt! Künstlerinnen Oberschwaben 20. Jahrhundert“ © Museum Biberach, Foto: Thomas Gretzinger

Textiles

Textilien kommen auf vielseitige Weise in der Kunst zur Anwendung. Zum einen kann Textiles zum Motiv in der Malerei, Zeichnung oder Fotografie werden und zum anderen als Bildträger oder als Material verarbeitet werden.

Blick in die Ausstellung „Ins Licht gerückt! Künstlerinnen Oberschwaben 20. Jahrhundert“ © Museum Biberach, Foto: Thomas Gretzinger

In die Ferne

Ab den 1950er Jahren zieht es die Künstlerinnen in die Ferne – zunächst europa- und später weltweit. So sind auch die Arbeiten der Künstlerinnen von Auslandsaufenthalten geprägt. Durch die Vielfalt an Reiseeindrücken gelingt trotz Corona-Pandemie ein gedanklicher Ausflug nach Frankreich, Australien oder in afrikanische Länder.

Blick in die Ausstellung „Ins Licht gerückt! Künstlerinnen Oberschwaben 20. Jahrhundert“ © Museum Biberach, Foto: Thomas Gretzinger

Nachdenklichkeit und Reflexion

In den ausgestellten Arbeiten liegen oftmals eine gewisse Nachdenklichkeit und Reflexion. Die hohen Decken des Ausstellungsbereiches geben den einzelnen Werken ausreichend Raum, diese Wirkung zu entfalten. Die Abteilungen werden in kurzen, aber ausreichenden Texten erklärt, sodass lediglich kleine Beschriftungen direkt an den Exponaten zu finden sind. Diese offene Gestaltung der Ausstellung regt auch die Besucher*innen zum Nachdenken an.
Informationen zum Leben und Werk einzelner Künstlerinnen werden den Besucher*innen jedoch nicht vorenthalten. Kurze Biografien können an den im Raum verteilten Infoständen nachgelesen werden. Filme und diverse Ausstellungskataloge eröffnen weitere Einblicke in das Schaffen einiger Künstlerinnen.

Wer dann doch etwas aktiver werden möchte, findet in der Sitzecke kleine Holzkisten mit Aktiv-Blättern und unterschiedlichen Materialien wie Farbstifte, Fühlsäckchen oder Spiegeln, welche die einzelnen Themen der Ausstellung aufgreifen und kleine sowie große Besucher*innen zur tatkräftigen Auseinandersetzung auffordern: Die Ausstellung kann beispielsweise nach Papier, Leinen oder Holz abgesucht werden oder man experimentiert mit Farben und gestaltet ein eigenes Gartenbild.

Der Beitrag der Künstler*innen zum oberschwäbischen Kunstgeschehen im 20. Jahrhundert ist so vielseitig, dass er hier nur ansatzweise anhand der thematischen Schwerpunkte aufgezeigt werden konnte. Grund genug also, sich die künstlerischen Positionen selbst anzuschauen.

Die Ausstellung ist noch bis zum 18. Oktober 2020 im Museum Biberach (Museumstraße 6, 88400 Biberach an der Riß) zu sehen. Das Museum ist Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr, Donnerstag von 10 bis 20 Uhr geöffnet.

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