Blick auf eine Brücke.
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Geheimtipp: Architekturperle Ljubljana

Die großen Jugendstilmetropolen: Paris, Wien, Brüssel – Ljubljana? Die kleine große Metropole an der Ljubljanica hat durchaus einiges zu bieten und kann, was Abwechslungsreichtum und Ästhetik angeht, mit den anderen Zentren des Jugendstils mithalten.

Ljubljana, die kleine große Metropole 

Wer Ljubljana besucht, der ist oft überrascht: Das Stadtzentrum ist so klein, dass alles fußläufig zu erreichen ist, ein U-Bahn- oder Tramsystem gibt (und braucht) es nicht. Kein Wunder: Nur knapp   300 000 Einwohner:innen bevölkern die slowenische Hauptstadt. Diese aber glänzt mit einer einzigartigen Atmosphäre. Die Innenstadt zeigt sich vor allem im Gewand des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Sie ist also geprägt durch die Zeit, in der das heutige Slowenien Teil des österreichischen Kaiserreichs war. Tatsächlich erinnern viele Straßenzüge der Innenstadt an die Architektur, die man aus dem Umkreis der Habsburger kennt: Repräsentative Bauten mit Fassaden in unterschiedlichen Säulenordnungen prägen den Charakter der öffentlichen Plätze. Gleichzeitig besitzt Ljubljana an den Ufern der Ljubljanica aber auch das Flair einer Hafenstadt am Mittelmeer und in den Seitenstraßen die Eleganz von Jugendstilmetropolen wie Paris und Brüssel. Dennoch wirkt die Innenstadt harmonisch, wie aus einem Guss – das ist die Besonderheit Ljubljanas und das Geheimnis ihres Charmes. 

Ein langes Gebäude an einem Fluss.
Die Markthalle liegen direkt an der Ljubljanica und ergänzen Plecniks Architekturkonzept neben den drei Brücken, ©Foto: Eugene Kuznetsov.

Jože Plečnik – Der Stadtplaner Ljubljanas 

Dafür verantwortlich ist vor allem der slowenische Architekt Jože Plečnik. Er studierte Architektur als Schüler von Otto Wagner in Wien, arbeitete lange Zeit in dessen Architekturbüro und bereiste mit Stipendien schließlich Italien und Paris. Als Vertreter der Wiener Sezession erhielt er 1921 eine Professur an der Universität von Ljubljana und wurde in der Folge einer der federführenden Stadtplaner der Landeshauptstadt. Denn diese war seit dem Ende des Ersten Weltkrieges wichtiges Zentrum im neu gegründeten „Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen“ und man suchte nach einem nationalen Stil. Plečnik gestaltete die Stadt nach und nach zu einer Großstadt um und schuf ästhetische und kulturelle Zentren.  

So wurden die Nationalbibliothek, verschiedene Kirchen und zentrale Plätze von Plečnik in den Jahrzehnten nach dem Ersten Weltkrieg neu konzipiert oder umgebaut. Direkt am Ufer der Ljubljanica konzipierte er ein zweites Zentrum als Pendant zum Stadtplatz (mestni trg), den Prešerenplatz.  

Drei Brücken und ein Platz.
Die drei Brücken über die Ljubljanica am bilden eines der Hauptwerke Plecniks. ©Foto: Petar Milosevic, beschnitten.

Der Prešerenplatz 

Er integrierte die Jakobskirche durch eine repräsentative Treppe in den öffentlichen Raum und schuf mit der Dreierbrücke Tromostovje ein markantes architektonisches Zeichen und eines der Wahrzeichen Ljubljanas. Direkt daneben, am Ufer des Flusses, setzen die Markthallen sein Gestaltungskonzept fort. Zum Zeitpunkt ihrer Erbauung (1930/31) hatte er sich gestalterisch etwas vom Jugendstil entfernt und seinen Detailreichtum reduziert. Doch die klare Formensprache und die Idee, den Menschen in den Mittelpunkt zu rücken, war geblieben. Heute zählt seine Stadtplanung daher zum UNESCO Weltkulturerbe (Die Werke von Jože Plečnik in Ljubljana – am Menschen orientierte Stadtgestaltung). 

Ein Haus mit Kuppel.
Die Architektur des Hotel Union folgt dem Stil der Wiener Sezession. ©Foto: Birgit Chudzian.

Ljubljana und der Jugendstil 

Nördlich vom Prešerenplatz prägen typische Jugendstilfassaden das Straßenbild. Plečniks Zeitgenossen blieben hier den Prinzipien des Jugendstils treu. Dafür steht, allen voran, das Grand Hotel Union im Stil der Wiener Sezession von 1905 in reinem Weiß mit floralen Stuckleisten. Gegenüber befindet sich das Kaufhaus Galerija Emporium, dessen Eingangsbereich klare Einflüsse der Pariser Art Nouveau zeigt. Lässt man die beiden Prachtbauten hinter sich, fallen vor allem die Fassaden kleinerer Wohnhäuser auf, die die verschiedenen Spielarten der Gestaltung um 1900 widerspiegeln: Geometrisch geflieste Häuserfronten stehen  Häusern mit schmiedeeisernen Blumendetails gegenüber, daneben orientalistische Türmchen und Fassaden, die stark plastisch ausgearbeitet sind.  

Ein Spaziergang durch Ljubljana ist wie ein Bilderbuch des Jugendstils – aber eines, bei dem man sich am Ende des Rundgangs in ein elegantes Café setzen und ein Stück Potica (slowenischer Hefekuchen) essen kann. 

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