Heidi Pfeiffenberger an einer Treppe

Interview mit: Heidi Pfeiffenberger

Charismatisch, eloquent und ehrlich – Kunsthistorikerin Heidi Pfeiffenberger erzählt über ihre Studienzeit in Karlsruhe und ihren bisherigen beruflichen Werdegang.

An das erste Gespräch mit Heidi Pfeiffenberger erinnere ich mich noch ganz genau. Im Rahmen des Studiums am Kunsthistorischen Institut am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) waren wir 2014 auf Exkursion in Lörrach und Weil am Rhein. Gegen Ende des Tages standen wir auf dem Vitra Campus vor dem Eingang des VitraHaus und kamen ins Gespräch. Begeistert war ich sofort von Heidis Charisma, ihrer Eloquenz und ihrer Ehrlichkeit. Natürlich spielte auch der Faktor eine Rolle, dass ich im dritten Semester im Bachelor war und sie schon gefühlt alles (kunsthistorische) Wissen in ihrem Master-Studium hatte und wusste wie der Laden läuft. Sie bestärkte mich darin, neben dem Studium möglichst viel praktische Erfahrungen zu sammeln. Diesem Rat bin ich gefolgt und gebe ihn immer gerne weiter. Über die Jahre nach dem Studium sind wir weiterhin im losen Kontakt geblieben und jedes Mal aufs Neue sind wir neugierig, wo die andere Person gerade beruflich steht und wie sie sich entwickelt hat. 

Wir freuen uns, dass Heidi Pfeiffenberger von ihrem beruflichen Werdegang erzählt, ihrem Interesse zu Graffiti und was Museumsarbeit heute auch sein kann.  

Heidi Pfeiffenberger © Badisches Landesmuseum, Foto: ARTIS – Uli Deck

Liebe Heidi, wir kennen uns aus unserer gemeinsamen Studienzeit in Karlsruhe. Warum hast du dich damals für das Kunstgeschichte-Studium entschieden? Und warum am KIT? 

Als Kind kam ich außerhalb schulischer Aktivitäten nicht ins Museum, sodass ich erst in meiner späten Adoleszenz mein Interesse für Kunst und Kultur entdeckte. Vermutlich kam daher meine Faszination und Begeisterung für Museen und insbesondere die Kunstgeschichte. Spätestens im Kunst-LK war dann klar, dass ich mich auch im Studium weiter mit der Kunstgeschichte befassen wollte. Zur Debatte stand ein Doppel-Bachelor in Kunstgeschichte und Jura an der Universität Basel oder Kunstgeschichte am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Da ich mein Studium komplett eigenständig finanzieren musste, habe ich mich für das Studium in Karlsruhe entschieden. 

Du bist vom Bachelor, über den Master bis hin zur Promotion am KIT geblieben. Was hat dir dort am Kunsthistorischen Institut besonders gefallen? Was hast du vermisst? 

Für meinen Studienschwerpunkt in Architektur- und Baugeschichte war das KIT eine exzellente Wahl. Positiv in Erinnerung geblieben sind mir die zahlreichen praxisnahen Übungen, die meist in Kooperation mit Kurator:innen aus den ansässigen Museen und Archiven stattfanden sowie die Seminare zu Themen wie Bauaufnahme, Fotogrammetrie und Vermessung. Für meinen Geschmack hätte das Angebot an praxisnahen Lehrveranstaltungen noch etwas breiter sein können… Im Nachhinein war der Wunsch nach mehr Anwendungsbezug positiv für meine Entwicklung: Schon zu Beginn des Studiums suchte ich mir das erste halbjährige Praktikum. 

Blick in die Sammlung des Louvres in Paris im November 2021.

Zu deiner Promotion. Deine Dissertation hat sich mit der Thematik Graffiti auseinandergesetzt. Wie bist du zu dem Thema gekommen? Welche Hürden gab es während der Promotion für dich?  

Architektur war im Studium immer das Thema, das mich am meisten interessierte, weil ein Gebäude nie für sich selbst stehen kann, sondern immer einen Bezug zu seiner Umgebung hat, genauso verhält es sich auch mit Graffiti und Street Art. 2008 wurde ich durch die Ausstellung „ExpoStation – Urbane und zeitgenössische Kunst“ auch auf die Karlsruher Graffiti-Szene aufmerksam und hatte begonnen, mich auch im Studium damit auseinanderzusetzen. Etwa zeitgleich zur Wahl meines Dissertationsthemas fanden die ersten Planungen für das DFG-Projekt INGRID, das „Informationssystem Graffiti in Deutschland“ statt, im Rahmen dessen Bildmaterial aus Mannheim zur Verfügung stand, das wissenschaftlich untersucht werden musste. Damit war eine wichtige Datengrundlage gegeben, dann kam eines zum anderen. 

Als große Hürde empfand ich die finanzielle Situation, gepaart mit dem Zeitdruck, die Dissertation schnellstmöglich abschließen zu müssen. Glücklicherweise erhielt ich ein Individualstipendium der Landesgraduiertenförderung. Dies bedeutete für mich, dass ich meine Dissertation innerhalb des zweijährigen Förderungszeitraums so weit wie möglich voranbringen musste. Nach Ablauf der Förderung arbeitete ich mit einer 60 % Stelle in einer Kreativagentur und zu 50 % im INGRID-Forschungsprojekt am KIT. Nach Feierabend schrieb ich an meiner Dissertation.  

Aus diesem Grund hatte ich die Arbeit schlussendlich nach exakt 2 Jahren und 8 Monaten eingereicht und mich für eine Onlinepublikation entschieden. 

Ausstellungsprojekt „ExpoStation Areal C“, Graffiti von SHICK, Oktober 2021 in Karlsruhe, Foto: Heidi Pfeiffenberger.

Meist weiß man eher von männlichen Graffiti-Künstlern. Wie sind die Künstlerinnen in der Szene vertreten? 

In der Szene gibt es zahlreiche Sprayerinnen, die sich meiner Erfahrung nach aber eher bedeckt halten, um ihre eigene Identität zu schützen.  

Wie sieht dein beruflicher Werdegang eigentlich aus? 

Bereits im Studium hatte ich zahlreiche Praktika absolviert und etwa acht Jahre als wissenschaftliche Hilfskraft am KIT gearbeitet, sodass für mich klar war, dass ich keinen klassischen Kunsthistoriker:innen-Beruf wahrnehmen möchte. Direkt nach dem Master habe ich daher in einer Kreativ-Agentur gearbeitet. Einige Jahre später wechselte ich dann zu einem großen Anbieter für berufliche Weiterbildung mit eigener Videokonferenzsoftware. Meine Begeisterung für die Kunstgeschichte ließ mich jedoch nicht los, weshalb ich über das Projekt „Art of“ den Weg ins Museum fand. Bei dieser Stelle als Digitale Kuratorin in der Kunsthalle Karlsruhe konnte ich meine Liebe für die Kunst mit der seit meiner Agenturzeit gewachsenen Leidenschaft für Websites und Onlinemedien verbinden.  

Seit Oktober 2020 bin ich nun Datenkuratorin im Badischen Landesmuseum und habe damit die heiß ersehnte, unbefristete Stelle im Museum bekommen. 

Was ist deine momentane Tätigkeit? Wie sind ein „normaler“ Tag bei dir aus? 

Als Datenkuratorin bin ich für IT-Sicherheit, Medientechnik und Digitales Datenmanagement zuständig, jedoch gehören auch Bereiche wie Digitale Kennzahlen und Barrierefreiheit im Digitalen, Projektmanagement oder die technische Weiterentwicklung des Digitalen Katalogs zu meinen Aufgaben. Einen „normalen“ Arbeitstag gibt es nicht – tägliche Routinen sind aber E-Mails lesen oder Abstimmungen mit den Kolleg:innen.  

Badisches Landesmuseum Karlsruhe bei Sonnenaufgang im Januar 2021, Foto: Heidi Pfeiffenberger.

Was macht dir an deiner Arbeit besonders Spaß? 

Besonders reizvoll finde ich das breite Themenspektrum, das durch meine drei Schwerpunkte (IT-Sicherheit, Medientechnik und Digitales Datenmanagement) und die Themen Barrierefreiheit und digitale Kennzahlen umrissen wird. Einerseits ist man in viele Abläufe im Museumsbetrieb involviert und interagiert mit allen Abteilungen, andererseits wird man stets herausgefordert, sodass das Gefühl von Alltag vermutlich nie aufkommen wird. Die Kombination aus Routine und Learning by Doing, Analog und Digital, Inhalt und Technik, Projektleitung und Projektmitarbeit macht wirklich Spaß. Zudem habe ich viel Freiraum, Dinge mitzugestalten und Prozesse neu zu entwickeln, da es sich bei meinem Job um eine neu geschaffene Stelle handelt. 

Ich kann mich noch an ein Gespräch kurz nach deiner Promotion erinnern, als du meintest, dass man neben der Kunstgeschichte noch etwas anderes machen/studieren sollte. Siehst du das heute auch noch so? Was würdest du heute jungen Kunsthistoriker:innen raten? 

Ja, das stimmt! Das sehe ich heute noch genauso, allerdings hat mir immer die Einstellung „Der Weg ist das Ziel“ geholfen: sich nicht beirren lassen, mögliche Chancen ergreifen und dabei vielleicht das ein oder andere Risiko eingehen.   

Du liest mit Sicherheit auch in deiner Freizeit Fachliteratur. Hast du Tipps oder Lieblingsmagazine für unsere Leser:innen? 

Mir ist die Balance zwischen Arbeit und Freizeit im Laufe der letzten Jahre sehr wichtig geworden, sodass ich privat nicht mehr so viel Fachliteratur lese als noch vor ein paar Jahren. Viel lieber bin ich in der Natur oder besuche Ausstellungen und tausche mich dazu mit Freund:innen und Kolleg:innen darüber aus.  

Empfehlen kann ich die vor Kurzem erschienene Dissertation von Katarina Schorb „Revisionen eines Schiffbruchs – Martin Kippenbergers Medusa“ und das t3n Magazin

Online-Recherche während eines Ausstellungsbesuches im Museum Ludwig Köln im August 2020.

Für Außenstehende: Welche Kunst-/Kulturinstitution in Karlsruhe sollte man deiner Meinung nach bei einem Besuch nicht verpassen? 

Absolutes Must See ist das Badische Landesmuseum mit einem Abstecher in den Schlossgarten und den Botanischen Garten. Derzeit sehenswert ist die Sonderausstellung „Göttinnen des Jugendstils“, die noch bis 19. Juni 2022 läuft.  

Für Fans der Medienkunst ist das Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) absolut zur empfehlen. Wer zeitgenössische Kunst mag, sollte auch dem Badischen Kunstverein einen Besuch abstatten oder die Projekte rund um die Crew ato.black im Auge behalten. Wer es gern kreativ und urban mag, findet an den Veranstaltungen im Alten Schlachthof Gefallen. Hochaktuell sind auch die Ausstellungen in der HfG und Karlsruher Kunstakademie. Für die Alten Meiser und Klassische Moderne ist auch die Kunsthalle Karlsruhe immer einen digitalen Besuch wert – die Kunsthalle ist derzeit sanierungsbedingt geschlossen. Last but not least laden zahlreiche Freewalls entlang der Alb zu ausgedehnten Graffiti-Spaziergängen ein.  

Vielen Dank Heidi, dass du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast.

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