Künstler:innen

Im Gespräch mit: Laura Vogler

Was haben der Bodensee, Hamburg und Tübingen gemeinsam? Sie liegen in Deutschland. Naja, das hätten wir wohl alle gewusst. Doch sie haben auch alle eine Rolle im Leben von Laura Vogler gespielt. Was die junge Künstlerin inspiriert, wie sie arbeitet und welche Wünsche sie hat, erfahrt ihr in unserem Interview.

Kreativ, immer für einen da und unglaublich sympathisch – so hatte ich Laura Vogler in Erinnerung. Gemeinsam haben wir ab der zehnten Klasse die Schulbank gedrückt und zusammen unser Abitur geschafft. Und weil wir uns dann doch recht gut verstanden haben, verbrachten wir den ein oder anderen Abend miteinander. 

Nach der Schule – der leidige Klassiker – gingen wir unserer Wege. Spannenderweise beschäftigten wir uns unabhängig voneinander auf unsere ganz individuellen Arten und Weisen mit der Kunst. So kam es dann auch, dass wir plötzlich wieder voreinander standen. Per Zufall – und da sieht man erneut, dass Soziale Medien durchaus von Vorteil sein können – entdeckte ich, dass Laura in Tübingen arbeitet. Und da wir von KUNE unbedingt mit regionalen Künstler*innen in Austausch treten wollen, schrieb ich Laura einfach an. Und eins kann ich mit Gewissheit sagen: Ich bin so froh und es lohnt sich, einfach Kontakt aufzunehmen. Denn so entstehen dann ja doch oftmals die schönsten Momente und Zusammenarbeiten. 

Pastelltöne, kräftige Farben und Kombinationen aus diesen finden ihren Auftritt in Lauras Voglers Œuvre.

Sehr freue ich mich, euch heute Laura und ihr künstlerisches Schaffen vorstellen zu dürfen. Laura lebt mitten in Tübingen mit Blick über die wunderschönen Dächer unserer mittelalterlichen Neckarstadt. In ihrem Atelier taucht sie in ihre eigene Welt ein – in ihre Gedanken, in ihre Räume, die sie in ihren Werken festhält. So teilt sie mit uns Rezipient*innen ihre Gefühle, Empfindungen, Raumwahrnehmungen und Perspektiven. 

So ist es umso spannender, wenn man ihr zuhören darf, während sie einem ihre Werke präsentiert. Nun wünsche ich euch viel Spaß beim Lesen unseres Interviews. 

In Lauras Arbeiten schichtet sich Ebene über Ebene. So entstehen ganz individuelle Räume, die zum Versinken einladen.

Laura Vogler. Ein Interview. 

Liebe Laura, wann und wie bist du zur Kunst gekommen? 

Seit meiner Jugend ist Malen immer Ausdruck meiner Gefühle und Raum für mich. Farben und Formen haben mich schon immer fasziniert und ich liebe es zu gestalten. Seit der Schule wollte ich immer was mit Kunst machen und habe mich dafür interessiert. 

War es immer schon dein Wunsch Künstler*in zu werden? 

Seit ich 16 bin wünsche ich mir heimlich ein Atelier am Meer in Portugal – obwohl ich noch nie dort war. Irgendwas mit Kunst und Menschen wollte ich immer machen, weil Kunst ein wunderbarer nonverbaler Raum ist. 

Du hast in Hamburg studiert. War das dein Wunsch, oder hat sich das per Zufall ergeben? 

Mich hat es gereizt weit weg von zu Hause zu studieren. Hamburg hat sich aber zufällig ergeben, weil dort eine damals gute Freundin gelebt hat und ich dort dann an der Kunstakademie angenommen wurde. Außerdem hat mich die Großstadt gereizt, ich wollte was erleben und raus aus der Idylle des Bodensees, wo ich teilweise aufgewachsen bin. 

Lauras Hände vor einem ihrer Werke.
Genau aus diesem Grund lieben wir Atelierbesuche. Hier kann ganz intensiv über das künstlerische Schaffen und einzelne Kunstwerke gesprochen werden.

Woran bist du (auch während deines Studiums) gewachsen? 

An Erfahrungen machen, am Üben, am Ausprobieren und Experimentieren. Auch am Frust im Bild und am „Scheitern“. Daran mit anderen zusammen künstlerische Wege zu gehen, sich auszutauschen, zu reflektieren, einen Spiegel zu bekommen. Bilder auszustellen und Rückmeldungen zu bekommen. 

Ich habe dort erst richtig Zeichnen gelernt und eine Idee von Komposition. Das freie künstlerische Jahr während des Studiums hat mir in der Auseinandersetzung mit mir selbst sehr geholfen. Zu erleben, wie ich frei arbeite, ohne „Stundenplan“ und auch: Wie bleibe ich dran? Wie gehe ich mit Blockaden um? Das hat mich alles sehr geprägt. 

Was sind deine Ziele? 

Ein Traum wäre ein Atelier und Kunsthaus mit integrierter Galerie. Vernetzung mit anderen Künstler*innen, Ausstellungen und Kunstevents organisieren und selbst viel Malen und Gestalten können. Davon zu leben wäre ein großes Ziel. 

Laura am hin- und herlegen ihrer Arbeiten.
„Was könnte ich noch zeigen?“ – Laura hat uns tief in ihr gesamtes Œuvre blicken lassen.

Wo siehst du dich in 10 Jahren? 

In meinem Atelier/Künstlerhaus/Galerie in einem wunderschönen Garten mit anderen Künstler*innen. Ich lebe von meiner Kunst und künstlerischen Projekten. Dort gibt es auch ein Café mit gutem Kaffee und es ist ein so gemütlicher und aufgeschlossener Ort, an den alle Menschen gerne kommen, um sich zu treffen. 

Wie bleibst du up to date, was die Kunstbranche angeht? 

Ich schaue mir gerne auf Instagram die „Kunstwelt“ an und lasse mich da auch inspirieren. Und auch regionale Ausstellungen, allerdings aus Zeitmangel oftmals eher im Internet. 

Kunstwerke auf Papier stapeln sich übereinander.
Eine Farbenpracht – wir durften zahlreiche ungerahmte Werke von Laura betrachten.

Wollen wir nun etwas über deine Kunst und deine Arbeitsweise sprechen. Was sind die ersten drei Worte, die dir ganz spontan zu deiner Kunst einfallen? 

Raumwelten, geschichtet und gedruckt 

Wie würdest du uns deine Kunst detaillierter beschreiben? 

Ich male abstrakte Bilder auf Papier – Raumkompositionen, die an Landschaften oder auch Urbanes und Räumliches erinnern, aber immer freilassend für eigene Gefühle und Gedanken. Ich experimentiere mit verschiedenem Material und mal mit dem was, mir in die Finger fällt, ohne Plan. Vielleicht beginne ich mit einer Inspiration, aber immer intuitiv. Meist lande ich irgendwo, wo ich es nicht erwarte. 

Mit welchen Materialien arbeitest du? 

Gouache, Tusche, Ölkreide, Aquarell,  Acryl – am liebsten mit allen gleichzeitig, meist auf Papier, manchmal auf Leinwand. 

Material stapelt sich.
Alles ordentlich sortiert – hier könnten wir uns echt eine Scheibe abschneiden.

Hast du dein Werk vor der Umsetzung schon vor Augen? 

Nein, nie! Ich habe keine Ahnung was rauskommt und es ist jedes Mal eine Überraschung. Mich spricht meistens eine Farbe an oder ich überlege mir, welche Farbkombination ich aufs Papier bringen möchte. Aber was im Laufe des Malens passiert, bleibt für mich immer eine Überraschung. 

Sprich: Du beginnst nicht unbedingt mit einer Idee, sondern mit einem Strich? 

Ganz genau, mit einem Strich, frei nach Intuition. Manchmal vielleicht auch mit einer Farbidee. 

Und wie wählst du das Material aus? 

Zufällig, intuitiv, das was gerade in meine Hände fällt. 

Malutensilien stehen dicht nebeneinander.
Tusche, Acryl, Pastell – Laura verwendet die Materialien, die ihr gerade so in die Hand fallen.

Arbeitest du parallel an mehreren Kunstwerken oder immer nur an einem? 

An vielen Bildern gleichzeitig. Manche ruhen Monate. Da ich das meiste auf Papier mache, habe ich auch kein Platzproblem. 

Woher nimmst du eine Inspiration? 

Aus der Natur, dem Himmel und Wasser. Ich liebe Komposition, Farben, Landschaftsformationen, Ausblicke aus Fenstern oder durch Tore. Mich interessieren Oberflächen und Strukturen. Und auch aus selbst Erlebtem, Begegnungen und Reisen ziehe ich viel Inspiration. Oder wenn ich Stress habe oder ein Thema, das mich bewegt, verarbeite ich diese. 

Laura zeigt uns einige der großen Arbeiten.
Hier durften wir einen Blick auf sehr aktuelle Werke werfen.

Gedichte oder eben Geschriebenes inspirieren mich sehr. Ebenso das bloße Anschauen von Werken anderer Künstler*innen wie zum Beispiel von Hillary Ellis (UK), Brigitte Tharin (Reutlingen), Uwe Leonhardt und Helen Butler (UK). Die Arbeiten von Matisse und Rothko mag ich gerne. Inspiration finde ich auch beim Betrachten von Fotografien, Stoffen und Textilkunst. 

Liebe Laura, herzlichen Dank für deine Zeit und den Einblick in deinen künstlerischen Alltag! Wir freuen uns schon sehr auf die gemeinsamen Projekte, die in den kommenden Monaten anstehen. In diesem Sinne an euch alle: SAVE THE DATE! Denn am 6. März werden wir die Ausstellung „No Sense of Time. A Finite Dialogue about Infinity” in der Liquid Kelter – Bar & Restaurant eröffnen. 

Ein Kiste voller kleiner quadratischer Arbeiten.
Diese kleinen Arbeiten sind nicht nur eindrucksvoll, Laura bietet sie gerade auch in unserem aktuellen Weihnachtskalender als passendes Geschenk für unter den Weihnachtsbaum an. Habt ihr sie schon auf kuneprojects.com entdeckt?

Für alle Werke und Fotografien gilt © Laura Vogler, Fotos: Elisabeth Weiß.

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