Schafherde. Julius Kornbeck. Öl auf Leinwand. © Albmalermuseum. Foto: Maik Hanicz.
Kunstszene

Das Albmalermuseum in Münsingen

Raue Felsen, Wasserfälle, abstrakte Kunst, Tierdrucke und – natürlich Schafe. Die Dauerausstellung des Albmalermuseums zeigt auf kleinstem Raum eine breite Vielfalt künstlerischen Schaffens auf der Schwäbischen Alb im 19. und frühen 20. Jahrhundert.

Persönlich und authentisch

„Wenn Sie dann noch hoch möchten, geben Sie bitte Bescheid, dann schließe ich Ihnen auf,” sagt die freundliche ältere Dame im charmantesten Schwäbisch am etwas improvisiert wirkenden Ticketschalter. Der Besuch im Albmalermuseum unterscheidet sich auf verschiedene Arten deutlich vom Besuch großer Museen – eine solche Eins-zu-eins-Betreuung gibt es dort meistens nicht. „Wenn man noch hoch möchte”, dann kommt man in die Dauerausstellung des Albmalermuseums. „So, dann wünsch ich Ihnen viel Spaß. Wenn es Ihnen zu dunkel ist, dann machen Sie halt den Lichtschalter an – aber denken Sie bitte dran, den dann auch wieder auszuschalten.” Und damit ließ uns die Dame alleine zurück im 1. OG des Gebäudes OF 7, dem kleinen Backsteingebäude des Alten Lagers in Münsingen und wir machten uns auf Entdeckungstour.

Die Gemälde im Innern stehen immer im Austausch mit der Umgebung des Alten Lagers. © Foto: Maik Hanicz
Die Gemälde im Innern stehen immer im Austausch mit der Umgebung des Alten Lagers. © Foto: Maik Hanicz

Klein, aber oho!

Wie der Gebäudezuschnitt die Präsentation der Kunstwerke beeinflusst, haben wir bei unseren Besprechungen der Sonderausstellungen schon öfter bewundernd angemerkt. Auch die Dauerausstellung ist geprägt von kleinen Räumen und dem schmalen langen Flur dazwischen. Wo im Erdgeschoss aber der raue Putz und die Backsteinwand einen urbanen Flair verbreiten, ist das Obergeschoss fein säuberlich renoviert: Die Gemälde hängen auf pastellfarbenen oder weißen Wänden mit Stuckabschluss an der Decke, was der Atmosphäre etwas, im gemütlichen und positiven Sinne, kleinbürgerliches verleiht. Die schiere Menge an Kunstwerken hat uns als Erstes beeindruckt: In den meisten Räumen sind die Bilder in mehreren Reihen übereinander gehängt.

Blick in die Ausstellung. © Foto: Maik Hanicz.
Blick in die Ausstellung. © Foto: Maik Hanicz.

Gemalte Heimat 

Viele der Bilder zeigen Ansichten der Region: Reutlingen, Mössingen und die vielen kleinen Ortschaften auf der Alb spielen hier die Hauptrolle. Die Landschaften sind typisch romantisch: Tosende Wasserfälle, idyllische Hügel mit Fernsicht und schummrige Wegekreuze prägen das Bild der Schwäbischen Alb im 19. Jahrhundert. Dass man die eigenen Heimatorte im Museum antrifft, war für uns als Besucher*innen eher überraschend – in den großen Gemäldesammlungen Deutschlands ist doch eher die Küste Norddeutschlands zu sehen, der Harz oder Stadtansichten von Berlin. 

Unbekannte*r Künstler*in. Haagtor in Tübingen. 19. Jahrhundert. Öl auf Karton. © Almalermuseum. Foto: Maik Hanicz.
Unbekannte*r Künstler*in. Haagtor in Tübingen. 19. Jahrhundert. Öl auf Karton. © Almalermuseum. Foto: Maik Hanicz.

Vielfalt der Alb

Auf der Homepage des Museums ist zu lesen, dass Maler*innen ausgestellt werden „die einen Bezug zur Schwäbischen Alb haben. Ein solcher Bezug zur Schwäbische Alb kann aufgrund des Motivs, des Geburts-, Wohn- und/oder des Arbeitsortes des jeweiligen Malers bestehen.“ Im Zentrum steht also die Person hinter dem Bild. So ist es nur konsequent, dass die Ausstellung auch nicht nach Motiven oder Stilrichtungen sortiert ist, sondern nach den Malenden. Daraus resultiert eine bunte Mischung in der Ausstellung: Landschaft neben Porträt, Stadtansicht, Historiengemälde, Genremalerei – durch die dichte Hängung etwas gewöhnungsbedürftig für die Sehgewohnheiten, die man als Kunsthistoriker*in in den überregionalen und internationalen Sammlungen eingeübt hat. 

Drei Gründe hinzugehen

1. Das Albmalermuseum rückt nicht nur die Schwäbische Alb in den Fokus, sondern auch eine Menge an Künstler*innen, die abseits der großen Kunstakademien Teil des Kunstbetriebes waren. Maler*innen, die nicht für das Großbürgertum und Adelskreise der Metropolen riesige Porträts oder Historienbilder entwarfen, sondern die für die Bewohner*innen der Albhochfläche Alblandschaften für die gute Stube anfertigten. 

2. Die Vielfalt an Genres, Techniken und Motiven bietet sich insbesondere für junge Kunsthistoriker*innen an, ihre Bildbeschreibungen und -einordnungen zu trainieren oder aufzufrischen.

3. Gezeigt wird das enorme kreative Potenzial der in der kunsthistorischen Forschung oft eher abseits liegenden Region. 

Von uns gibt es eine absolute Empfehlung, sich das Museum anzuschauen – der Ausflug nach Münsingen lässt sich perfekt verbinden mit einer Besichtigung des übrigen Alten Lagers, das auf seiner weitläufigen Anlage auch architektonisch interessante Aspekte aufweist.

www.albmaler.de

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