Kunstszene

Interview mit: Maik-Sören Hanicz

Maik-Sören Hanicz ist Kunsthistoriker, Social Media Experte, Allrounder, Powermensch und der beste Kuchenbäcker, den wir kennen. Wir freuen uns sehr, dass er sich mit uns ausgetauscht hat und wir euch heute Einblicke in seinen Alltag präsentieren können.

„Man begegnet sich im Leben immer zweimal!“ An dieser Aussage ist wohl ein Funken Wahrheit, denn Maik und ich sind uns wirklich wieder begegnet, was nicht nur mich, sondern das ganz Kune-Team sehr freut. 

Damals in der Burse, das erste Semester meines Kunstgeschichtestudiums. Maik und seine Studienkolleginnen waren schwer beschäftigt mit ihren Abschlussarbeiten, als ich als Anfängerin in ihr „Arbeitszimmer“, einen der tollen Bibliotheksräume in der Burse, trat. Ich wurde herzlichst empfangen und die banalsten Fragen wurden mir fachkundig erklärt. Es folgten viele gemeinsame Wochen intensiver Arbeit in einem „Gemeinschaftsbüro“, die unvergesslich sind. Diese Zeit hat mir schon recht früh gezeigt, wie vielseitig Kunstgeschichte ist und auch welche Wege man während und nach dem Studium gehen kann. Monate und Jahre verstrichen und ich begann an manchen Wochenenden in Bebenhausen zu arbeiten. Freude pur. Doch umso mehr habe ich mich gefreut, als ich an einem meiner ersten Arbeitstage festgestellt habe, dass Maik auch an diesem wunderbaren kleinen Fleck Erde arbeitet, mich einlernen würde und vor allem, dass ich ihn nun auch meinen Arbeitskollegen nennen darf.

Jede*r aus dem Kune-Team hat eine eigene Verbindung zu Maik – als Mentor, Kommilitone, Teammitglied in einem Projekt (Eberhard), als Arbeitskollege im Kloster und Schloss Bebenhausen oder eben über Kune selbst.

Weil wir Maik klasse finden, wollen wir in euch mit diesem Interview vorstellen. Wir wünschen euch viel Freude und vielleicht stimmt ihr uns ja zu: Maik ist ein Powerman, mit dem der Alltag unglaublich viel Spaß macht. 

Maik-Sören Hanicz. Eine Fragerunde zu deinem Leben.

Wer bist du und wo lebst du? Was hast du studiert?

Hallo! Mein Name ist Maik-Sören Hanicz und ich wohne in Tübingen. Ursprünglich komme ich aus Kirchheim/Teck und bin zum Studium nach Tübingen gezogen: Kunstgeschichte, Neuere Deutsche Literaturwissenschaft und Nordistik. Ich habe noch im Magister studiert und konnte so nebenher viele Veranstaltungen aus anderen Fächern besuchen: Geschichte, EKW, Englisch, Slavistik… Das hat in mir einen weitgefassten Kulturbegriff geformt, der meine Arbeit als Kunsthistoriker bis heute prägt. 

Unser Interviewpartner Maik-Sören Hanicz.

Warst du dein ganzes Studium über in Tübingen?

Nein. Ich habe Tübingen auch ab und zu verlassen: zu Praktika in der Alten Nationalgalerie Berlin, im Museum Schnütgen in Köln und zum Auslandssemester in Uppsala/Schweden. Die schwedische Kunstgeschichte funktioniert übrigens ein wenig anders als die deutsche: Es wird zum Beispiel in andere Epochen eingeteilt. 

Was sind die großen Unterschiede?

Skandinavien, das lange Zeit kulturell von Schweden dominiert wurde, lag in Europa ziemlich isoliert. Neue Techniken und Stile fanden ihren Weg etwas zeitversetzt in den Norden. Natürlich verlaufen die Epochen ähnlich, aber es wird stärker nach König*innen sortiert: Der Gotik folgt die Gustav-Vasa-Zeit, die Vasa-Söhne-Zeit, die Karolinische und Gustavianische Epoche. Ein bisschen wie in England also. Dazu gibt es natürlich auch die regionalen Prägungen.

Das ist ja äußerst spannend und muss ich unbedingt mal nachlesen. Nun aber wieder zu dir: Was machst du heute bzw. wo arbeitest du?

Jetzt bin ich schon lange wieder in Deutschland, mit dem Studium fertig und arbeite an zwei Arbeitsplätzen: in der Schlossverwaltung im Kloster und Schloss Bebenhausen in der Stabsstelle Touristik des Landratsamts Tübingen.

Bebenhausen… wie schön! Wie kam es dazu? Und was fasziniert dich an Bebenhausen?

Im Kloster und Schloss Bebenhausen habe ich schon während meines Studiums als Schlossführer gejobbt und bin dann dort geblieben. Es ist einfach ein wunderschöner Arbeitsplatz. Nicht nur, wenn man aus dem Bürofenster schaut und auf die Parkanlage blickt, sondern auch inhaltlich: Von mittelalterlicher Architektur über historistisches Kunsthandwerk bis hin zu Zeugnissen der Gründungszeit der Bundesrepublik – diese Bandbreite an Stilen und Themen gibt es sonst nur in großen Museen.

Ein Blick vom Schreibtisch nach draußen im Kloster und Schloss Bebenhausen. © Maik-Sören Hanicz.

Was sind deine alltäglichen Aufgaben und Herausforderungen?

Ich bin vor Ort vor allem für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig: Social Media, Presse und Veranstaltungen. Dazu kommt natürlich auch noch das Tagesgeschäft mit Besucher*innen, denn wir sind ein relativ kleines Team.

Maik gibt eine Sonderführung im Kloster und Schloss Bebenhausen. © Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg. Foto: Sarah Kentner.

Und in der Stabsstelle Touristik des Landratsamts Tübingen?

Im Landratsamt habe ich ganz frisch angefangen, erst vor wenigen Wochen. Dort geht es hauptsächlich um das Marketing des Landkreises als Wander- und Fahrradregion, aber auch um die Vernetzung der kulturellen Einrichtungen im Landkreis – und um Social Media.

Was ein schöner Blick aus dem Fenster des Landratsamts Tübingen auf den Spitzberg und den Bismarckturm. © Maik-Sören Hanicz.

Social Media – was ist so interessant daran?

Öffentlichkeitsarbeit und Marketing sind tolle Arbeitsbereiche, weil sie extrem vielfältig sind. Die Vielzahl an ganz unterschiedlichen Themen macht die Arbeit einfach spannend und entspricht genau meinen Interessen. Das hat sich schon im Studium gezeigt: Jedes meiner Seminare hatte ein komplett anderes Thema. Wo Kommiliton*innen eine Mittelaltervorlesung nach der anderen besucht haben, bin ich von der Romanikvorlesung zum Seminar über Kunsthandwerk um 1900 und danach zum Kurs „Historienmalerei“. Ich will über alles Bescheid wissen! Das war sicherlich auch einer der Gründe, warum meine begonnene Promotion nicht erfolgreich war: In der Breite kann ich mir einfach und schnell Wissen anlesen, in der Tiefe verliere ich ab einem bestimmten Punkt die Orientierung. (lacht) Damals habe ich mich tierisch darüber geärgert, heute habe ich erkannt: Das ist eine besondere Begabung.

Social Media – dafür braucht es tolle Bilder. © Maik-Sören Hanicz.

Welche Vor- oder auch Nachteile bringt die Arbeit im Kulturbereich mit sich? Ist eine ausgewogene Work-Life-Balance möglich?

Der Kulturbereich ist ja sehr breit gefächert. Es kommt immer darauf an, was man machen möchte: An den großen Museen gibt es wenige Stellen für gut spezialisierte und hoch qualifizierte Fachkräfte – um die muss man sich mit den Mitbewerber*innen streiten. Kleinere Museen benötigen eher Allrounder, haben aber leider auch nur wenige Mittel für Personal. Auf dem Kunstmarkt scheint es mehr Möglichkeiten zu geben. Dafür sind die Stellen weniger sicher. Ich bin mit meiner jetzigen Situation ganz zufrieden – trotz täglichem Wechsel zwischen den Büros habe ich noch Zeit für Freizeit und Hobbys. Seit ich 5 Jahre alt bin, singe ich im Chor, dessen Proben verpasse ich nur ungern. Außerdem lerne ich Gebärdensprache – und gebacken wird in der Freizeit natürlich auch. Am liebsten historische Rezepte, aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert, manche auch aus dem Umfeld König Wilhelms II[U1] .  

Maik im Kreuzgarten im Kloster und Schloss Bebenhausen. © Maik-Sören Hanicz.

Welchen Rat hättest du gerne als Studienanfänger bekommen? 

Mir wurde an der Uni immer gepredigt: „Spezialisiere dich früh! Überleg dir, wo du hinwillst! Bereite dich mit möglichst vielen Praktika darauf vor!“ Am Ende kann man aber seine berufliche Laufbahn nur bedingt planen. Die richtige Stelle muss zur richtigen Zeit frei werden, da gehört viel Glück dazu. Und dann spielen die privaten Interessen noch stark mit. Bei mir war es so: Ich backe gerne und habe irgendwann einen Kuchen-Instagram-Account gestartet.

Das Profilbild von Maiks Instagram-Account @diebakerey: Maik mit einem seiner Lieblingsbackbüchern. © Maik-Sören Hanicz.

Meine Erfahrungen mit Instagram haben dann beim nächsten Bewerbungsgespräch Pluspunkte gegeben. Bei der Jobsuche spielen alle Talente, die man hat, eine Rolle und nicht nur die fachliche Qualifikation – denn die haben im Zweifelsfall andere auch.

Was ein traumhaft schöner Kuchen. Schon König Wilhelm II. von Württemberg schätze ihn sehr. Wer kann schon nein zu einem Apfelkuchen sagen? © Maik-Sören Hanicz.

Wie informierst du dich über das aktuelle Kunst- und Kulturschaffen?

Ich verfolge die Accounts einiger Museen auf Facebook und Instagram. Daneben die von Kunstzeitschriften: Art und Monopol beispielsweise. Dezidierte Kunstblogs lese ich weniger (außer Kune natürlich). Ein paar Accounts, die im weitesten Sinne etwas mit Kunst und Kultur zu tun haben, verfolge ich aber ganz interessiert: MessyNessyChic und Retronaut sind zwei Blogs mit historischen Fotos. Sie untersuchen die ungewöhnlicheren Kapitel der Kulturgeschichte, z. B. Freizeitparks des 19. Jahrhundert oder das Ballett von Louis XIV. Daneben freue ich mich über die Posts von Chateau de Lalande und Chateau de Gudanes: Beides Restaurierungsprojekte von Schlössern in Frankreich. 

Leckereienverkostung – Maik testet Spezialitäten. Vielleicht finden sie sich ja bald in seinem Backoeuvre? © Maik-Sören Hanicz.

Hast du eine oder mehrere Kultur- und/ oder Kunstinstitution in und um Tübingen, die du empfehlen kannst?

Was konkrete Ausflugsziele vor Ort angeht, liegt Tübingen ja günstig: Staatsgalerie Stuttgart für die hohe Kunst oder eines der vielen kleinen Museen und Freilichtmuseen in der Region. Tübingen selbst hat im Verhältnis zu seiner Größe spannende Museen: Das Museum der Universität hat durch die Sammlungen der Fakultäten richtig aufregende Objekte zu zeigen, das Stadtmuseum Tübingen geht oft ganz innovative Wege mit seinen Ausstellungen. Seit einigen Jahren ist auch die Kunsthalle Tübingen wieder mit großartigen Ausstellungen präsent. Daneben das Boxenstop und die vielen kleinen Museen im Landkreis, die oft ehrenamtlich geführt werden. Und dann gibt’s ja noch das schöne Kloster Bebenhausen… Ich arbeite nicht umsonst für die Tourismusbeauftragte! (lacht)

Nicht nur Maik ist begeistert von den einzigartigen Maßwerkfenstern Bebenhausens. © Maik-Sören Hanicz.

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