Kune hat für euch das Kunst Quarantäne Paket zusammengeschnürt in Zeiten des Coronavirus Tipps für die Zeit zu Hause mit einer Übersicht von kunstnahen Projekten, die online verfügbar sind
Kunstszene

Kunst-Quarantäne-Paket #2: Occupy White Walls

In unserem zweiten Beitrag mit Tipps dazu wie Ihr auch in Zeiten der Quarantäne zum Kunstgenuss kommt, schauen wir uns ein Online-Spiel an, in dem man eine Galerie bauen und eröffnen kann.

Vergangene Woche haben wir in unserem ersten Beitrag zum Kunstgenuss von der Couch aus vorgestellt, wie einige Museen und Sammlungen ihre Ausstellungen digital präsentieren. Diese Woche haben wir experimentiert und laden euch ein mitzumachen. Im Spiel Occupy White Walls (OWW) kann man nicht nur selbst weiße Wände bauen, sondern sie auch mit Kunst behängen.

OWW bietet dabei zwei Besonderheiten: Zum einen ist das Spiel ein MMO (Massively Multiplayer Online Game) und kann also von vielen Spieler*innen aus der ganzen Welt gleichzeitig gespielt werden. Zum anderen beinhaltet das Spiel eine künstliche Intelligenz, die bei der Auswahl von Kunstwerken helfen soll.

Das klingt soweit ganz gut und interessant! Noch ist das Spiel nicht fertig und wird aktiv weiterentwickelt. (Kann es überhaupt je fertig sein? Es lassen sich ja immer neue Kunstwerke hochladen…) Das Entwicklungsteam war also so nett und stellt das Spiel in seinem aktuellen Entwicklungszustand kostenlos zur Verfügung. Um es herunterzuladen ist auch einen Steam-Account nötig, der ebenfalls kostenlos ist. Die Systemvoraussetzungen sind moderat – der fünf Jahre alte Laptop, auf dem wir das Spiel getestet haben, musste zwar pusten, hat es aber sonst gut geschafft.

Erste Schritte im Spiel

  • Occupy White Walls Sceenshot: Tutorial
  • Occupy White Walls Sceenshot: Tutorial
  • Occupy White Walls Sceenshot: Erste Schritte in einem White Cube

Das Tutorial informiert, wie man sich in der virtuellen Umgebung bewegen kann und wie man mit Objekten interagiert. Die Grundlagen sind schnell erlernt und schon teleportiert einen das Spiel in die eigene Galerie. Die eigenen vier Wände zu sagen wäre noch falsch, denn bis jetzt stehen erst zwei – eine davon mehr schlecht als recht mit gelber Farbe angestrichen. Und überall befinden sich noch Umzugskisten und Tapetenrollen. Wie das eben zu Beginn so ist bevor der Ausstellungsraum renoviert ist..

Aber auch hier lässt uns das Tutorial nicht allein und wir lernen schnell, wie einfache Elemente zum Beispiel Wände, Decken und Böden per Mausklick zu platzieren sind. Viel einfacher als im wahren Leben. Ohne große architektonische Ansprüche haben wir uns also erstmal einen White Cube gebaut, in dem die Kunst für sich stehen bzw. an den Wänden hängen kann.

Kunstauswahl mit künstlicher Intelligenz

  • Occupy White Walls Sceenshot: Kunstauswahl mit der künstlichen Intelligenz DAISY
  • Occupy White Walls Sceenshot: Kabinett „Klassische Moderne“; zu sehen sind Abbildungen der Werke: Kasimir Malewitsch, Suprematism Nr. 50, 1916, 66 x 97 cm, Öl auf Leinwand; Paul Klee, Winterharte Pflanzen, 1934, 54,9 x 40,9 cm, Öl auf Karton
  • Occupy White Walls Sceenshot: Kabinett „Klassische Moderne“; zu sehen sind Abbildungen der Werke: Paul Klee, Winterharte Pflanzen, 1934, 54,9 x 40,9 cm, Öl auf Karton; Ferdinand Hodler, Blick ins Unendliche III, 1905, 105,5 x 129,5 cm, Öl auf Leinwand

Die Kunst fehlt uns aber noch! Zum Glück gibt es DAISY, die künstliche Intelligenz, die uns hilft Kunst auszuwählen. Auf Knopfdruck bekommen wir neun Kunstwerke angezeigt und können sie nun kaufen. Die Preise entsprechen nicht dem Kunstmarkt, sondern hängen davon ab, wie viele Kunstwerke man bereits besitzt. Je mehr man hat, desto mehr kosten die Werke. Durch die Auswahl lernt DAISY unseren Kunstgeschmack kennen und schlägt daraufhin ähnliches vor. Wir haben nun ein paar Kunstwerke gekauft und können sie in unserer Galerie platzieren. So hängen jetzt also ein Malewitsch, ein Klee und ein Hodler in einem Kabinett beisammen.

  • Occupy White Walls Sceenshot: Funktion „Closer Look“; zu sehen sind Abbildungen der Werke: Albrecht Dürer, Der heilige Hieronymus in der Wüste, um 1494, 22,5 x 31,6 cm, Kupferstich; Hieronymus Bosch, Der heilige Hieronymus, 1482, 60,6 x 80,1 cm, Öl auf Holz
  • Occupy White Walls Sceenshot: Funktion „Closer Look“; zu sehen ist eine Abbildung des Werks: Hieronymus Bosch, Der heilige Hieronymus, 1482, 60,6 x 80,1 cm, Öl auf Holz

Durch die Hängung erhält man einen Eindruck von den Größenverhältnissen, auch wenn natürlich noch etwas Vorstellungskraft gebraucht wird. Manches erscheint schon etwas klein. So klein, dass man gar nicht genau erkennt, was das jetzt für ein Kunstwerk ist – hier links im Bild etwa eine Druckgraphik von Albrecht Dürer, die nur noch aus wenigen Pixeln zu bestehen scheint. Man kann jedoch mit den Kunstwerken interagieren und bekommt dann eine recht gute Abbildung, die sich auch nochmals vergrößern lässt. Zudem stehen am rechten Rand des Bildschirm Informationen wie Titel, Künstler*in, Materialien, Größe und Jahr. Bei vielen Kunstwerken ist zudem eine Beschreibung vorhanden, die das Werk kurz einordnet oder etwas zur Geschichte der Arbeit aussagt. Auf der linken Seite befinden sich Kommentare von anderen Spieler*innen zu dem jeweiligen Werk.

Besuch bei anderen Spieler*innen

  • Occupy White Walls Sceenshot: Der „Plaza“, ein öffentlicher Platz, von dem aus man andere Galerien besuchen kann.
  • Occupy White Walls Sceenshot: Das Gästebuch der Galerie „phillycommon“.
  • Occupy White Walls Sceenshot: Die Ausstellung „Bauhaus“ der Galerie „phillycommon“. Zu sehen sind verschiedene Werke von Lazlo Moholy-Nagy.
  • Occupy White Walls Sceenshot: Die Ausstellung „Mary Cassatt“ der Galerie „phillycommon“.
  • Occupy White Walls Sceenshot: Die Ausstellung „Mary Cassatt“ der Galerie „phillycommon“.
  • Occupy White Walls Sceenshot: Die Ausstellung „The Three Eccentrics“ der Galerie „phillycommon“. Zu sehen sind Werke der Maler Soga Shohaku, ItoJakutchu und Nagasawa Rosetsu.
  • Occupy White Walls Sceenshot: Die Ausstellung „The Three Eccentrics“ der Galerie „phillycommon“. Zu sehen sind Werke der Maler Soga Shohaku, ItoJakutchu und Nagasawa Rosetsu.

Nun fehlt aber noch der Multiplayer-Anteil von MMO. Die Galerien von anderen Spieler*innen können nämlich auch besucht werden. Hierzu gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder man kennt den Namen einer Galerie und kann sich dann direkt dorthin teleportieren (ihr findet uns natürlich unter dem Namen „Kune“). Oder man geht über den öffentlichen Platz und findet dort ein Portal.

Hier sind wir über ein Portal zur Galerie Phillycommon gekommen. Wie in physischen Galerien und Ausstellungshäusern üblich, gibt es hier auch ein Gästebuch in das man sich nach dem Besuch eintragen kann. Erstmal bestaunen wir aber, was hier mit den Mitteln des Spiels gebaut wurde. Drei Gebäudeteile in völlig unterschiedlichen Stilen sind über Laufstege verbunden und zeigen, welche Kunstwerke diese Woche neu im Spiel sind. Da gibt es eine thematische Ausstellung zum Bauhaus, eine Einzelausstellung zu Mary Cassatt und eine Gruppenausstellung zu drei japanischen Malern des 18. Jahrhunderts. Ziemlich beeindruckend!

Die Kamera im Spiel

Occupy White Walls Sceenshot: Funktion „Camera“.
Occupy White Walls Sceenshot: Funktion „Camera“.

Zurück in der eigenen Galerie sind wir von den Eindrücken ganz inspiriert und machen uns daran, noch ein paar Kunstwerke zu kaufen und diese zu einer eigenen kleinen Ausstellung zusammenzustellen. Dabei gibt uns das Spiel den Tipp, dass es eine eigene Funktion für Screenshots hat. Über Regler lassen sich die Blende und Linse einstellen, so dass man den optimalen Screenshot machen kann.

Ein paar Screenshots von unserer Galerie wollen wir Euch jetzt nicht vorenthalten. Aber so wie sie jetzt aussieht, wird sie wahrscheinlich nicht bleiben. Das Spiel lockt mit der Möglichkeit, die Galerie zu vergrößern und ein paar Ideen für Themenausstellungen schwirren uns schon im Kopf. Es macht Spaß, sich einfach durch das Kunstangebot bei DAISY durchzuklicken und zu sehen, unter welchen Aspekten der Kanon der Kunstgeschichte hier neu zusammengestellt werden könnte.

  • Occupy White Walls Sceenshot: Ansicht der Kune Galerie; zu sehen sind die Werke: Fredric Edwin Church, El Rio de Luz, 1877, 213,7 x 138,1 cm, Öl auf Leinwand; George Caleb Bingham, The Jolly Flatboatmen, 1846, 123,2 x 96,8 cm, Öl auf Leinwand; Thomas Eakins, Swimming (The swimming hole), 1885, 93 x 70,1 cm, Öl auf Leinwand; Thomas Eakins, Wrestlers, 1899, 152,4 x 122,8 cm, Öl auf Leinwand.
  • Occupy White Walls Sceenshot: Ansicht der Kune Galerie; zu sehen sind die Werke: Tizian, Karl V. mit Ulmer Dogge, 1533, 112,7 x 194 cm, Öl auf Leinwand; Kasimir Malewitsch, Suprematism Nr. 50, 1916, 66 x 97 cm, Öl auf Leinwand. Raffael, Der Erzengel Michael erschlägt den Satan, 1518, 160 x 268 cm, Öl auf Holz, auf Leinwand aufgezogen.
  • Occupy White Walls Sceenshot: Ansicht der Kune Galerie; zu sehen sind die Werke: Piet Mondrian, Komposition 8, 1914, 58,1 x 94,3 cm, Öl auf Leinwand; Tizian, Karl V. mit Ulmer Dogge, 1533, 112,7 x 194 cm, Öl auf Leinwand; Kasimir Malewitsch, Suprematism Nr. 50, 1916, 66 x 97 cm, Öl auf Leinwand.

Stärken und Schwächen des Spiels

Kanon ist dabei ein Stichwort mit dem sich sowohl Stärken als auch Schwächen des Spiels verbinden. Das Angebot der Kunstwerke ermöglicht es, das eigene Bildgedächtnis aufzufrischen und auch neue Entdeckungen zu machen. Es fehlt aber die Möglichkeit gezielt zu suchen. Die Kunstwerke eines*r Künstler*in lassen sich über einen Klick anzeigen. Hat man aber einen bestimmten Namen im Kopf, muss man auf gut Glück die Angebotsseite erneuern, bis etwas auftaucht. Und auch dann ist natürlich immer nur eine Auswahl von Arbeiten und nicht das gesamte Oeuvre abgebildet. Die Auswahl ist letztlich auch von Bildrechten abhängig. Bis jetzt sind fast nur Kunstwerke bis zur frühen Moderne im Spiel. Alles bei dem Künstler*innen noch das Urheberrecht haben, gestaltet sich schwierig. In Zukunft soll es die Möglichkeit für Künstler*innen geben, eigene Werke hochzuladen und sich somit im Spiel einen Namen zu machen.

Besonders toll sind die Möglichkeiten, mit den Bausteinen des Spiels die eigene Galerie zu gestalten. Hier kann man die eigene Kreativität ausleben und muss sich auch nicht an so blöde Gesetze wie die Schwerkraft halten. Im virtuellen Raum ist Unmögliches möglich. Leider ist die Platzierung von Objekten, wie etwa den Bänken in unserer Galerie manchmal etwas unhandlich und erfordert daher Geduld und etwas Fingerspitzengefühl bis es dann passt.

Wie bereits in der Einleitung geschrieben, befindet sich das Spiel noch in der Entstehungsphase, so dass vielleicht ein paar Probleme noch ausgebügelt werden dürfen. Wer will, kann sich auch mit dem Team hinter dem Spiel in Verbindung setzen und so Vorschläge für die weitere Entwicklung machen. Zudem läuft noch bis zum 21.04.2020 eine Kampagne auf Kickstarter, mit der Geld für Ziele, wie etwa das Hochladen eigener Kunstwerke, gesammelt wird.

Insgesamt waren das durchaus ein paar nette Stunden, die wir so mit einem Spiel und der Kunst verbracht haben. Wer jetzt Lust bekommen oder sogar schon eine Galerie hat, kann gerne den Namen in die Kommentare schreiben, so dass wir uns dort besuchen können.

5 Kommentare zu “Kunst-Quarantäne-Paket #2: Occupy White Walls

  1. Nette Spielchen, gut erklärt, ich wird den sicher nie benutzen weil mein Spiel und Spaß ist aktiv mit der Kunst zu sein auch im diesen ruhigen Zeit, aber danke für den Info.

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  2. Guck mal die Angebot von: http://www.talking-art.de ich Glaube das die benutzen diese Spiel um Geld zu verdienen.

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    • Paul Ambros

      Ah, spannend! Die Videos, die dort angeboten werden, sehen ganz ähnlich aus. Mir scheint aber, dass man mit Occupy White Walls mehr Auswahl hat, was die Architektur angeht.

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  3. Pingback: Kunst-Quarantäne-Paket #6 – Kune

  4. Pingback: Kunst-Quarantäne-Paket #8 – Kune

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