arTÜthek – die Leihbilderei Tübingens. KUNE im Gespräch mit Peter Krullis, dem Mitbegründer der „arTÜthek“

Einmal im Jahr stellt die ArtTÜthek eine Auswahl ihrer Künstler:innen in der Glashalle des Landratsamtes aus. Bei der letzten Jahresausstellung wurden 24 regionale Künstler:innen mit über 80 Kunstwerke auf zwei Etagen gezeigt. Aber was ist die arTÜthek überhaupt und was macht Sie? In einem Gespräch mit Peter Krullis, einem Mitbegründer und Koordinator der Vereinigung, hat KUNE sich über ihre Aufgaben und Möglichkeiten unterhalten.

arTÜthek – was ist das?

Das Wort arTÜthek ist eigentlich ein Wortspiel mit dem Wort Artothek. Dabei setzt sich der Begriff  sowohl aus einem lateinischen (ars = die Kunst) als auch einem griechischen Wortteil (theke = der Ort) zusammen und beschreibt für gewöhnlich eine öffentliche Institution, die Werke aktueller und/oder lokaler Kunst sammelt und gegen geringe Gebühr verleiht oder verkauft. Artotheken sind teilweise eigenständige Einrichtungen oder sie sind an öffentliche Bibliotheken (aber auch an andere Institutionen wie Kunstvereine, Museen, Kulturämter o.a.) angegliedert und dienen als vermittelnde Instanz zwischen Interessenten und Künstler:innen. Im Fall der arTÜthek handelt es sich jedoch um eine spezielle Form der Kunstvermarktung, da es sich um eine reine Internetgalerie handelt, deren Träger der Landkreis Tübingen und das Kulturnetz Tübingen e.V. (https://www.kulturnetz-tuebingen.de/) sind. Durch diese Verbindung und in der Abgrenzung zu einer normalen Artothek, entstand auch das humoristische Wortspiel, von der Artothek hin zur arTÜthek.

Die Geschichte der arTÜthek

Nachdem das Landratsamt Tübingen 2006 von der Doblerstraße weg- und auf den Mühlbachäckern neue Räumlichkeiten bezogen hatte, stand das große Gebäude vorübergehend leer: Es wurde großzügigerweise regionalen Künstler:innen zur Zwischennutzung überlassen, wobei das Kulturnetz Tübingen als Träger fungierte. Durch den Einzug der vielfältigen Kunstschaffenden in ihre neuen Ateliers entstand folglich das sogenannte Kunstamt. Schließlich wurde in Zusammenarbeit von Dr. Wolfgang Sannwald, dem Kreisarchivar des Landkreises Tübingen und dort für Kunst und Kultur zuständig, dem Kulturnetz sowie einzelnen zugehörigen Künstler:innen und verschiedener lokaler Künstlervereinigungen das Vorhaben der arTÜthek entwickelt.
Als Folge dieses Vorhabens wurde vor mehr als 10 Jahren eine Internetplattform ins Leben gerufen, die diese vermittelnde Instanz einer Artothek übernimmt und regionalen Künstler:innen die Möglichkeit bietet, ihre Werke zur Schau zu Stellen mit dem Ziel diese letztlich zur Miete und/oder zum Verkauf anzubieten. Die digitale Artothek Tübingens galt damals als die ersten Deutschlands und wurde zum Vorbild für weitere Formate, die in ihre Fußstapfen folgten. Mit der ortsunabhängigen Plattform als vermittelnde Institution können Kunstinteressierte nun direkt in Kontakt mit den jeweiligen Künstler:innen kommen. Die Kunst zeichnet sich dabei vor allem durch ihre Vielfalt aus: So sind Foto-Composings, Acrylmalerei auf Leinwand, Bleistift auf Papier, Collagetechniken, Mischtechniken und noch so vieles mehr zu entdecken.

Was macht die arTüthek?

Aber was genau macht die arTÜthek, was sind ihre Möglichkeiten? Hier kommen wir nun zum wichtigsten Aspekt: Über die arTÜthek können Kunstwerke für private oder geschäftliche Räume auf eine begrenzte Zeit von kunstinteressierten Menschen gemietet werden. Der Mietbetrag beträgt dann 1% des Verkaufspreises des jeweiligen Werkes pro Monat. Die Kunst kann also in den jeweiligen Räumlichkeiten problemlos ‚ausprobiert‘ werden, ohne Einsatz einer erheblichen Summe Geld für den Ankauf in die Hände nehmen zu müssen. Zusätzlich können die Kunstwerke nach dem Zeitraum der vertraglichen Vereinbarung unkompliziert zurückgegeben oder wahlweise die Mietdauer verlängert werden. Entscheidet man sich dafür, das Werk zu behalten, kann das Bild ganz einfach angekauft werden: Denn dabei wird der bisher gezahlte Mietbetrag auf die gesamte Summe angerechnet. Damit für die Mieter:innen keinerlei Risiko besteht, ist in dem Mietpreis des Werkes ist auch die Versicherung der verliehenen Werke enthalten. Die Mitglieder der arTÜthek haben auch die Möglichkeit ihre Werke entweder in den wiederkehrenden Ausstellungen der Stadtbibliothek Tübingens, des Gesundheitszentrums Mössingen oder letztendlich der abschließenden Jahresausstellung auszustellen. Die Ausstellungen bieten die Möglichkeit, die Kunstwerke original vor Ort betrachten zu können um so einen besseren Eindruck von Farbe, Größe, Material und Qualität zu erhalten und schließlich Interessenten für die Kunst und die regionalen Künstler:innen begeistern zu können.

Einblick in die Jahresausstellung der arTÜthek in der Glashalle des Landratsamtes Tübingen Ende 2023. ©Foto: Sina Bahlke.
Einblick in die Jahresausstellung der arTÜthek in der Glashalle des Landratsamtes Tübingen Ende 2023. ©Foto: Sina Bahlke.

Mitglied werden in der arTüthek

Die arTÜthek ist offen für Neuzugänge und freut sich über neue Mitglieder. Man kann sich also noch bewerben. Doch sind für die Bewerbungen auch hier ein paar Voraussetzungen zu beachten: Der Wohnsitz des/der Künstler:in muss sich im Landkreis Tübingen / Reutlingen befinden und das künstlerische Schaffen über das einer/eines „Freizeit-, bzw. Hobbykünstler:ins“ hinausragt, was durch eine entsprechende Vita belegt werden muss, die das künstlerische Schaffen dokumentiert. Es ist jedoch keine Notwendigkeit beruflich als Künstler:in zu arbeiten. Auch ein intensives, ernsthaftes künstlerische Arbeiten findet Anerkennung, wobei eine gewisse Qualität der Arbeiten gewährleistet sein muss. Möchte man sich für die Aufnahme bewerben, kann das problemlos digital erfolgen. Eine E-Mail sollte folgende Informationen abdecken: Mindestens 10 Fotos als beispielhafte Auswahl der eigenen Werke, eine Künstler:innen-Vita, eine Übersicht zu den Ausstellungsaktivitäten und der Verweis auf eine eigene Webseite (falls vorhanden) oder andere Webseiten, die die künstlerische Aktivität abbilden. Letztendlich entscheidet eine fachkundige Jury über die Aufnahme in die arTÜthek, welche sich einmal im Quartal trifft.

Interessent:innen finden hier weitere Informationen:
wie_werde_ich_mitglied_der_artuethek.pdf (kulturnetz-tuebingen.de)