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Belebte Bilder und sprechende Städte – James Rizzi in Graz

Eine Reise nach New York im Pop Art Stil! Mit „My New York City“ zeigt die Tübinger Kunstgalerie „Art28“ die Vielfältigkeit der Kunstwerke von James Rizzi in der Messehalle in Graz. Ein Beitrag über die Pop Art-Ausstellung der Superlative.

Über die Kunstausstellung „My New York City” zu James Rizzi in Graz

Unsere Autorin Sophie Godzik vor dem Eingangsplakat zur Rizzi-Ausstellung in Graz. ©Foto: Marius Braun.

My New York City

Liebe, Lebensfreude und Optimismus zeichnen die zahlreichen Werke von James Rizzi aus. Hauptinspirationsquelle ist seine Stadt New York. Mit der Ausstellung „My New York City” zeigt die Tübinger Kunsthandel und Kunstgalerie Art 28 in Graz noch bis zum 04. September 2022 die Vielfältigkeit und Vielzahl der Werke des Künstlers.

James Joseph Rizzi wurde 1950 in Brooklyn geboren und verstarb in SoHo im Alter von 61 Jahren. Er hinterließ ein umfassendes Œuvre an Papier- und Leinwandarbeiten wie auch Entwürfe auf unkonventionellen Materialien und diversen Gegenständen. Mehr als 1600 seiner Kunstwerke werden auf einer Fläche von über 2000 qm in Graz präsentiert. Zudem werden den Besucher:innen Einblicke in das Atelier und Leben Rizzis geboten. Für Pop-Art-Liebhaber:innen ein Muss!

Wenn die Kunst ruft…

Geboren in einer irisch-italienischen Arbeiterfamilie Brooklyns, studierte Rizzi zunächst Betriebswirtschaftslehre am Miami Dade College in Florida. Durch Zufall entdeckte er seine künstlerische Ader und begann nach dem Ende seines Bachelor-Studiums ein Kunststudium an der University of Florida in Gainesville. Nach seinem Studium stellten seine Eltern ihm ein Ultimatum: Er sollte innerhalb eines Jahres von seiner Kunst leben können oder sich nach einer anderen Berufung umschauen. Infolgedessen nahm Rizzi sich vor, jeden Tag ein neues Bild zu produzieren. Dieser Grundsatz zieht sich durch sein ganzes künstlerisches Schaffen: Er arbeitete stets von Sonntag bis Freitag, lediglich der Samstag blieb frei. Seine Produktivität als Künstler zeigt sich an der Menge seiner hinterlassenen Werke.

Arbeitstisch Rizzis vor einem Plot mit dem Foto aus seiner Wohnung. Foto: Sophie Godzik.

Eindrücke aus der Ausstellung „My New York City”

Die Werke eines Künstlers wie Rizzi erschließen sich den Betrachtenden häufig in Verbindung mit Informationen zu dessen Leben und Wirken. Die Rizzi-Ausstellung in Graz bietet hierzu ganz neue Einblicke: Durch ein Zusammenspiel aus wandhohen Fotoplots, Kunstwerken und auch Möbelstücken aus Rizzis New Yorker Loft in der Lafayette Street 284 im Stadtteil SoHo wird seine Wohnung für die Besuchenden erfahrbar gemacht. Während man durch den Wohn- und Essbereich wie auch Schlafzimmer, Küche und Atelier wandert, bekommt man das Gefühl, einen Blick hinter die Kulissen und in den persönlichen Alltag des Künstlers werfen zu können. Als Herzstück der Wohnung galt der grüne Esstisch mit verschiedenfarbigen Stühlen in Pastelltönen. An diesem saßen bereits Berühmtheiten wie Liz Taylor und Calvin Klein.

Der grüne Esstisch. Foto: Sophie Godzik
Einblicke in das Schlafzimmer Rizzis. Foto: Sophie Godzik

Die Rizzifizierung des Alltags

Rizzi lebte nicht nur mit, sondern auch in seiner Kunst. Doch beschränken sich die Kompositionen Rizzis nicht nur auf Leinwände. Alles, was nicht niet- und nagelfest war, wurde bemalt: Tassen, Kaffeekannen, Dosen, Kühlschranktüren, Verkehrsmittel und vieles mehr. Er rizzifizierte, was er konnte und wollte, doch nicht nur für sich: Ziel war eine Kunst für alle, die sich in jedermanns Alltag eingliedern und im Stil der Pop Art Lebensfreude, Optimismus und Humor mit einem Hauch Ironie vermitteln konnte.

Ein Beispiel dafür, wie die Kunst Rizzis sich in den Alltag einfügt, ist die Rizzibahn, eine Stadtbahn, deren Außenseite komplett nach einem Entwurf Rizzis gestaltet wurde. Von 2002 an war sie zwischen Karlsruhe und Heilbronn in Betrieb. Ein stilisierter Nachbau nimmt die Besucher der Grazer Ausstellung in Empfang. Die Ausmaße des künstlerischen Schaffens und wie weit es sich in das alltägliche Leben eingliederte werden damit veranschaulicht.

Nachbau des Entwurfs der Rizzibahn in Heilbronn. Foto: Sophie Godzik.

Über Gemälde, Druckgrafiken und Papierskulpturen Rizzis

Frühwerke seiner Studienzeit werden ebenfalls in der Ausstellung zur Schau gestellt, darunter Malereien auf Leinwänden und Kaltnadelradierungen auf Papier. Sogenannte „Un-Rizzis“ werden kontrastierend den für ihn typischen Motiven gegenübergestellt. Die künstlerische Entwicklung in seiner 40-jährigen Schaffenszeit und die Findungsphase eines eigenen Stils werden dadurch deutlich gemacht.

Inspiriert von Künstlern wie Dubuffet, Klee und Picasso, setzt Rizzi seine Motive im Sinne der Pop Art um. Er bewunderte den unabhängigen Stil der Künstler und versuchte, daran Anschluss zu finden. Hauptinspirationsquelle war die Stadt New York: Die Stadt lebt, egal ob bei Tag oder Nacht. Häuserdarstellungen in expressiven Farben und Mimiken brechen mit der klassischen Perspektive. Wiederkehrendes Bildpersonal wie Taxen, Vögel, Katzen oder menschliche Figuren bevölkern die abstrahierten Bilderwelten Rizzis. Leuchtende Farben, abstrakt zusammengesetzte Gegenstände und Figuren, ein Spektrum verschiedenster Emotionen – Rizzi zeigt Momentaufnahmen des alltäglichen Lebens, jedoch gesehen durch seine Augen. Zwar reduziert er die Form auf das Wesentliche der Linien, doch weisen seine Werke gleichsam einen ausgeprägten Detailreichtum auf. Hinzukommt das Farbverständnis Rizzis, der mit der Flächigkeit und Ausdruckstärke der Farben arbeitet. Er verzichtet auf Schattierungen, Tiefenwirkung erlangt er dennoch durch das von ihm erfundene Verfahren der 3D-Papierskulptur.

Seine Bilderwelten erschafft er in unterschiedlichen technischen Verfahren, da er sowohl die Malerei als auch die Druckgrafik im Studium erlernte. In der Ausstellung kommen die Besuchenden auch am Raum mit seiner originalen Druckerpresse vorbei, die gemeinsam mit frühen Druckgrafiken seiner Anfangszeit präsentiert wird. An diesen lassen sich auch die anfänglichen 3D-Papierskulpturen erkennen, ein technisches Verfahren, das er während seiner Studienzeit erfand.

Rizzis Druckerpresse der Marke Charles Brand. Foto: Sophie Godzik.

Eine künstlerische Erfindung schlägt große Wellen

Im Studium erfand er die charakteristische Technik zur Ausgestaltung seiner Werke. Als Rizzi 1973 zum Semesterabschluss drei Abschlussarbeiten in den Fächern Malerei, Bildhauerei und Druckgrafik einreichen musste, hatte er einen Geistesblitz. Er kam auf die Idee, eine Radierung zweimal auszudrucken und anschließend von Hand zu kolorieren. Aus einem der beiden Blätter schnitt er einzelne Motive aus und klebte sie mit Abstandshaltern wieder an. In seiner nun entstandenen 3D-Papierskultur wurden Malerei, Druckgrafik und Bildhauerei zu einem. Als Novum erkannt, verfeinerte er die Technik nach seinem Studium und schaffte damit umgehend den Durchbruch als Künstler: Im Brooklyn Museum of Art stellte er auf der Ausstellung zu “Thirty Years of American Printmaking” eine seiner 3D-Arbeiten neben Werken von Frank Stella, Andy Warhol und Roy Lichtenstein aus. Die Türen zum Kunstmarkt standen ihm offen und seine Bilder fanden ihren Weg in kleinere Galerien und Einzelausstellungen. Da das Ausschneiden der Werke jedoch einen enormen Zeitaufwand darstellte und mit steigender Nachfrage zu aufwendig für Rizzi selbst wurde, stellte er ein Team von Cuttern zusammen.

Original Werkzeug der Cutter. Foto: Sophie Godzik.

Von Tübingen nach Graz

Organisiert wurde die Ausstellung von Art 28, einem Kunsthandel aus Tübingen, der gleichzeitig auch der Verleger der Werke Rizzis ist. Der Geschäftsführer Bernhard Feil war zu Lebzeiten Rizzis gut mit diesem befreundet und später auch sein Manager. Bereits vor der Freundschaft der beiden war Rizzi viel in Deutschland unterwegs und erfreut sich dort ebenso großer Bekanntheit wie in den USA und Japan. Die Grazer Ausstellung möchte diese Bekanntheit nun im deutschsprachigen Raum auf Österreich erweitern. Nach Abschluss der Ausstellung gehen die Werke zurück nach Tübingen, wo sie nach Fertigstellung des „Neuen Kunstmuseums Tübingen“ im Jahr 2023 ihren festen Platz finden sollen.

James Rizzi: A grand central station, 2011, 3D-Papierskulptur.

„The best art is a good heart“ – James Rizzi

Die Heiterkeit, die seine Werke ausstrahlen, klärt jedes noch so trübe Gemüt. Lässt man sich auf die Vielfalt seiner Bilderwelten ein, ist es garantiert, den Ausstellungssaal mit einem Lächeln zu verlassen. Rizzi richtet seine Werke an alle: Seine Kunst sollte keiner Altersklasse vorbehalten sein und Jung und Alt gleichermaßen inspirieren. Zusammenhalt und Gemeinsamkeit sind Themen, die er zudem motivisch behandelt. Geprägt durch die Hippie-Bewegung der 1970er Jahre sind die drei Grundsätze Love, Peace and Unity von entscheidender Bedeutung für sein Kunstschaffen. Zwar zeigt er dies verkörpert durch die Stadt New York, doch können sich Menschen überall auf der Welt mit der Kunst Rizzis umgeben und ihr Leben rizzifizieren lassen.

Um nun mit den Worten Rizzis abzuschließen: Enjoy!

Nachbildung des typischen Rizzimotivs eines gelben Vogels. Foto: Sophie Godzik

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