Max Ernst. Tête d’homme, 1971, Lithographie. (Nach einem Gemälde von 1935). Foto: Julia Berghoff.
Kunstszene

Max Ernst – „Tête d’homme“

Organisch geschwungene Formen fügen sich zu einem surrealen grünen Gebilde, aus dem sogar eine Art Schnorchel zu wachsen scheint. Ob hier ein Mensch oder doch vielmehr ein Alien zu sehen ist, stellt Max Ernst mit seinem Titel „Tête d’homme“ ironisch zur Debatte. Erfahrt hier mehr, warum unserer Autorin Julia dieses surreale Gebilde in den eigenen 4 Wänden hängen hat.

Ob wir den Kopf eines Mannes sehen oder doch vielmehr eine Art Alien, stellt Max Ernst in seiner Lithographie „Tête d’homme“ (1971, nach einem Gemälde von 1935) auf skurrile Weise zur Debatte. Organisch geschwungene Formen fügen sich zu einem surrealen grünen Gebilde, das nur durch seine knopfartigen Augen überhaupt als Kopf erkennbar wird. Wie ein umgekehrtes Geweih ragen spindelförmige Auswüchse an den Seiten heraus, wo wir üblicherweise ein paar Ohren erwarten würden.

Max Ernst. Tête d’homme, 1971, Lithographie. (Nach einem Gemälde von 1935). Foto: Julia Berghoff.
Max Ernst. Tête d’homme, 1971, Lithographie, 88 x 69 cm. (Nach einem Gemälde von 1935). Foto: Julia Berghoff.

Nase und Mund verschränkte Ernst schließlich in einem immensen Schnorchel, dessen organische Rundung die umliegenden Geweihpartien zu spiegeln scheint. An dessen Ende schlängelt sich nun ein länglicher Fortsatz heraus, der wohl nicht zufällig an die Zunge eines Tieres erinnert. Der ganze Kopf ruht derweil auf zwei schmalen Formen, die einen Durchblick in den Hintergrund freigeben. Aus einem gewöhnlichen Hals wird so eine regelrecht abstrakte Skulptur. 

Max Ernst. Tête d’homme, 1971, Lithographie. (Nach einem Gemälde von 1935). Foto: Julia Berghoff.
Max Ernst. Tête d’homme (Detail), 1971, Lithographie, 88 x 69 cm. (Nach einem Gemälde von 1935). Foto: Julia Berghoff.

Bizarre Ästhetik

Ernst präsentiert sein ungewöhnliches Portrait im klassischen Dreiviertelprofil und bezieht sich damit geradezu ironisch auf kunsthistorische Traditionen aristokratischer Motivik. Einem seriösen Blick in die Ferne steht wiederum die etwas lüstern heraushängende Zunge entgegen, was den allgemein bizarren Eindruck des Bildes noch unterstützt. Gleichzeitig wählte Ernst eine unwahrscheinlich harmonische Farbpalette, die mich schon beim ersten Betrachten sofort in ihren Bann gezogen hatte. 

Als zentraler Vertreter des Surrealismus schuf Max Ernst viele solcher rätselhafter Mischwesen, deren Ästhetik meist im Phantastischen gründet. Das Unterbewusstsein und dessen kreative Schaffenskraft bekommen hierbei eine wesentliche Funktion zugesprochen, worin auch eine düstere Anziehungskraft verborgen liegt.

Max Ernst. Tête d’homme, 1971, Lithographie. (Nach einem Gemälde von 1935). Foto: Julia Berghoff.
Max Ernst. Tête d’homme, 1971, Lithographie. (Nach einem Gemälde von 1935). Foto: Julia Berghoff.

Kunst zum Anfassen

Das Blatt entdeckte ich während meines Praktikums im Auktionshaus Nagel in Stuttgart 2017 beim Vorbereiten der kommenden Moderne-Auktion. Wie eine erfolgreiche Schatzsuche fühlte es sich an, als mir beim Etikettieren der zahlreichen Grafikmappen plötzlich Ernsts „Tête d’homme“ in die Hände fiel. Von hier an war klar, auf was ich bieten würde. Gerade die Kombination aus bizarrem Inhalt und ästhetischer Farb- wie Formensprache hatte es mir angetan und fasziniert mich noch immer aufs Neue. Diesen, meinen ersten Kunstkauft, behalte ich in ganz besonderer Erinnerung – auch wenn bereits ein paar Artgenossen dazu gekommen sind…

1 Kommentar zu “Max Ernst – „Tête d’homme“

  1. Barbara Heide

    Sehr spannende Geschichte… Glückwunsch
    Hätte ich auch gerne gehabt
    Ohne Neid viel Spass
    Ein sehr attractives Bild…

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: